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Auf der Jagd nach der schiefen Palme

Frauen sind bekloppt! Vielleicht nicht alle, aber ich auf jeden Fall, soviel steht fest!

Seit ich jung war, träumte ich davon einmal im Leben auf einer schiefen Palme zu sitzen. So eine, wie sie auf Postkarten immer zu finden ist. Weißer Sandstrand, türkisfarbenes, klares Wasser und nur die Palme und ich.

Bevor ich mit Oliver zusammengekommen bin, war das Reisen noch nicht so präsent in meinem Leben wie heute. Klar, hin und wieder war ich im Urlaub. Meistens ging es irgendwo ans Mittelmeer. Natürlich haben ich auch hier viele wunderschöne Orte und Strände gesehen, aber ein Strand wie auf meinem Postkartenmotiv, suchte ich vergebens.

Einige Jahre später, lernte ich Oliver kennen. Meinen Mann und Reisebuddy.
Mit ihm ging es das erste mal über den großen Teich. Ich steckte mich mit einer Krankheit an, die unheilbar ist - dem Reisefieber.

„Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“

Unsere erste Fernreise ging nach Kuba. Wir sind auf eigene Faust gereist und haben uns den Westen der Insel angesehen. Im Anschluss verbrachten wir ein paar Tage im Pauschalurlauber-Paradies Varadero. Natürlich, Varadero hat nicht viel mit dem typischen Charme Kubas zu tun, es ist eher das Touristen-Epizentrum, aber die Strände sind unglaublich schön. Unglaublich feiner und weißer Sand, unglaublich türkises und klares Wasser, unglaublich wenige schiefe Palmen.

Seitdem wind wir wirklich viele herumgekommen. Wir haben die schönsten Strände an den schönsten Orten gesehen. Weit weg vom Massentourismus. In der Karibik, auf den Antillen, in Asien, alles Orte die prädestinierter nicht hätten sein können meinen Palmentraum wahr werden zu lassen. Aber ich habe sie nicht gefunden, ich habe sie allen Ernstes nicht gefunden, diese eine Palme. War es denn wirklich so schwer?! Anscheinend ja, anscheinend habe ich sie irgendwie immer knapp verfehlt.

Im Jahr 2015 waren wir auf den Seychellen. Und sicher werdet ihr euch fragen, hat sie jetzt endlich ihre Palme gefunden?! Nein, hat sie nicht! Aber ich war dieses mal schon etwas näher dran.
Wir waren an einem breiten Sandstrand spazieren, es war gerade Ebbe und das Meer war voller Algen und Steine. Aber plötzlich tauchte sie auf, eine Palme die quer über den Strand ragte. Es war nicht so wie in meiner Fantasie, aber es war schonmal ziemlich nah dran.
Natürlich wollte ich sofort raufklettern. Nur war sie leider echt hoch, irgendwie habe ich es dann doch geschafft. Es war alles andere als elegant. Damit es für ein Bild richtig gut aussah, musste ich noch etwas mehr in die Mitte kommen. Also robbte ich Stück für Stück nach vorne, wie ein kleiner, dicker Pandabär. Und da saß ich, auf meiner schiefen Palme, aber so ganz zufrieden war ich noch nicht, die Suche musste weitergehen!

Unsere nächstes Ziel war gesteckt - Malaysia. Eine Freundin war einige Jahre zuvor in Malaysia und um mir eine wenig Appetit zu holen, sah ich mir ihre Bildergalerie auf Facebook an.

Ich konnte nicht glauben was ich sah. Sie, eine Palme, weißer Sand und Türkises Meer. Da musste ich hin, das war sie, diese Palme sollte es werden! Ich fragte meine Freundin, wo genau diese Bild entstanden sei und sie konnte mir tatsächlich noch den Ort nennen.
Sie lag auf einer klitzekleinen Insel namens Pulau Lang Tengah, nahe der Inseln an denen wir ohnehin geplant hatten für ein paar Tage zu bleiben, um dort die Unterwasserwelt zu erkunden.

Oliver dachte schon längst, dass ich nicht mehr alle Kekse in der Dose hatte, aber er unterstütze mich bei meinem Vorhaben. Ich sagt ihm, dass wir unbedingt auf diese Insel mussten, da es dort eine schiefe Palme gäbe. Ich gebe zu, das hört sich wirklich total verrückt an.

Für umgerechnet 100€, brachte uns ein kleines Privatboot auf die Insel. Ich zeigte dem Bootsfahrer das Strandbild meiner Freundin und fragte ihn, ob er diese Palme kennen würde. Ihr könnt euch vorstellen, wie er mich angeschaut hat. Das ist wahrscheinlich in etwas so, als zeige mir irgendein Tourist bei uns zu Hause ein Bild von einem Baum und fragt mich, ob ich den kennen würde.
Nach einer einstündigen und sehr holprigen Fahrt über hohe Wellen, kamen wir endlich an. Ich bat dem Bootsfahre, er solle doch noch etwas um die Insel herumfahren, damit er uns auch am richtigen Platz rauslassen würde. Aber ich konnte keine Palme sehen, zumindest keine schiefe.

Er ließ uns an einem kleinen Steg raus und wir gingen an den Strand. Es war paradiesisch, es war der Himmel auf Erden, es war ein Ort voller Schönheit und Ruhe. Und dennoch war ich enttäuscht, könnt ihr euch das vorstellen?! Ich sah all das Schöne nicht, ich war nur auf der Suche nach dieser einen Palme. Oliver versuchte mich aufzubauen, aber es half nichts. Ich war traurig sie schon wieder nicht gefunden zu haben. Und da wurde es mir klar, ich war absolut bekloppt. Zum Glück kam diese Erkenntnis noch früh genug, um einen traumhaften Tag im Paradies zu verbringen, auch ohne perfektem Postkartenmotiv.

„Das Meer ist nicht die Antwort, aber es lässt dich jede Frage vergessen!“

Auf den kommenden Reisen habe ich es aufgegeben aktiv nach der schiefen Palme zu suchen. Ich wollte mich und vor allem Oliver nicht mehr stressen, nur wegen diesem einen Bild.

Ich hatte Angst noch mehr schönes zu verpassen, noch mehr nicht zu sehen, nur vor lauter Verbissenheit. Außerdem waren wir inzwischen zu dritt und die Prioritäten hatten sich geändert. Aber ganz aufgeben, wollte ich nie.

Im Sommer 2018 verbrachten wir unserer gemeinsame Elternzeit unter anderem in Thailand.
Julian war gerade ein Jahr alt geworden und noch immer war er sehr entspannt beim Reisen und hatte einen Riesenspaß dabei.
Wir waren auf Koh Phangan, Koh Tao sowie auf Koh Samui.
Bei einem Strandausflug lernten wir zwei deutsche Frauen kennen. Wir unterhielten uns und eine der beiden zeigte mir ein Bild von ihrer Unterkunft und dem dazugehörigen Strand. Es war kein Luxusresort, kein wahnsinnig toller Privatstrand, es war eher alles unscheinbar und schlicht. Aber auf dem Bild war sie, eine schiefe Palme an einem wunderschönen Strand.
Einmal wollte ich es noch versuchen, also fuhren wir am nächsten Tag zu der besagten Unterkunft.

Und da war sie, meine Palme, meine schiefe Palme. Der Hintergrund war noch immer nich nicht so, wie auf der Postkarte, aber die Palme war wunderschön.

Oliver machte ein paar Bilder von mir, wir mussten uns beeilen weil Leute im Anmarsch waren und natürlich wollte ich niemand mit auf meinem Foto haben. Gar nicht so einfach unter Druck das perfekte Palmenbild zu schießen, während das einjährige Baby ständig versucht ins Meer zu krabbeln. Wir hatten bereits ein paar Bilder im Kasten, aber natürlich wollte ich auf Nummer sicher gehen und noch ein paar aus einem anderen Winkel schießen.
Ich kletterte kurz herunter um mir meine erste Ausbeute anzusehen, da kam eine Frau an, stellte sich vor MEINER Palme und breitetet in ihrem Schatten ihr Handtuch aus.

Echt jetzt!?! Ihr Ernst!?! Hatte diese Frau eine Ahnung was ich alles durchgemacht hatte um diese Palme zu finden?? Aber da ich ohnehin schon Olivers Nerven überstrapaziert hatte und ich ihn (Achtung Wortspiel) nicht auf die Palme bringen wollte, gab ich mich mit den Bildern zufrieden die ich bereits hatte.

Ich bin sehr dankbar, für alles was wir erleben dürfen. Für alles was ich sehen kann und für jeden einzelnen Moment den ich auf Reisen mit meinen Lieblingsmenschen verbringen darf.
Aber es ist erlaubt zu träumen und Ziele zu haben, selbst wenn sie anderen noch so unwichtig erscheinen.

„Manchmal sieht man vor lauter Suchen nach dem perfektem nicht, dass das Perfekte bereits vor einem liegt.“

Dennoch werde ich auch weiterhin die Augen offen halten bis ich es gefunden hatte, das perfekte Postkartenpalmenmotiv.

Vielleicht nur etwas weniger verbissen. Und vielleicht ohne all den anderen schönen Dingen weniger Aufmerksamkeit zu schenken.

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