Wie modern ist Japan wirklich? Lebt Japan tatsächlich im Jahr 2050?

Beleuchtete Straße im Shinsekai-Viertel in Osaka mit bunten Leuchtreklamen und dem Tsutenkaku-Turm bei Nacht – Symbol für Japans modernes Stadtleben

Bevor wir nach Japan gereist sind, hatten wir ein ziemlich klares Bild im Kopf.

Hochgeschwindigkeitszüge, Roboter, Toiletten mit mehr Knöpfen als unsere Waschmaschine, riesige Bildschirme und Technik an jeder Ecke. Japan ist uns bestimmt mindestens 20 Jahre voraus.

Oder anders gesagt:
Japan lebt wahrscheinlich schon im Jahr 2050.

Und tatsächlich gibt es während einer Japanreise immer wieder Momente, in denen man genau das denkt.

Interessanterweise waren es bei uns aber gar nicht unbedingt die großen technischen Errungenschaften, die diesen Eindruck hinterlassen haben.
Es waren die kleinen Dinge.

Ein Korb unter dem Tisch im Restaurant, damit die Tasche nicht auf dem Boden stehen muss. Eine kleine Karte beim Frühstücksbuffet, mit der man seinen Tisch reserviert und anschließend alle gemeinsam Essen holen können. Ein Smoothie, den man sich im 7 Eleven innerhalb kürzester Zeit frisch mixen lässt. Sitze im Zug, die man einfach in die andere Richtung drehen kann.

Oder Regenschirme, Powerbanks und sogar Buggys, die man sich unterwegs einfach kurz ausleiht.

Das alles sind keine Erfindungen, die die Welt verändern.
Aber sie machen den Alltag angenehmer.

Und genau das ist uns in Japan immer wieder aufgefallen.
Jemand scheint sich Gedanken darüber gemacht zu haben, wo ein kleines Problem entstehen könnte und wie man es möglichst einfach löst.

Gleichzeitig haben wir auf unserer Reise aber auch festgestellt:
Japan lebt definitiv nicht überall im Jahr 2050.

Bargeld spielt noch immer eine Rolle. Papier ist längst nicht verschwunden. Manche Websites wirken überraschend kompliziert und in einigen Bereichen ist Japan deutlich traditioneller, als wir erwartet hätten.

Dieser Gegensatz macht das Land aber gerade so spannend.

Ist Japan wirklich so modern?

Wenn man zum ersten Mal durch Tokio läuft, möchte man die Frage wahrscheinlich sofort mit Ja beantworten.

Überall leuchtet etwas.
Türen öffnen sich automatisch.
Züge fahren im Minutentakt.
Getränkeautomaten stehen gefühlt an jeder zweiten Straßenecke.
Mit der Suica geht man einfach durch die Schranke zum Zug.
Und selbst auf einer öffentlichen Toilette muss man manchmal erst überlegen, welcher der vielen Knöpfe eigentlich der richtige ist.

Japan fühlt sich an vielen Stellen tatsächlich futuristisch an.

Aber nach ein paar Tagen hatten wir das Gefühl, dass das Wort modern eigentlich nur einen Teil davon beschreibt.
Japan ist nicht einfach überall technischer.
Vieles ist vor allem unglaublich gut durchdacht.

Und genau darin liegt für uns der große Unterschied.

Natürlich sind der Shinkansen oder moderne Toiletten beeindruckend.
Aber die Momente, in denen wir wirklich dachten „Warum gibt es das bei uns eigentlich nicht?", waren oft viel unspektakulärer.

Manchmal war die Antwort auf ein Alltagsproblem keine komplizierte Technik.
Sondern einfach ein Plastikkorb.

Warum wirken Restaurants in Japan so gut durchdacht?

Eines unserer liebsten Beispiele haben wir in Restaurants entdeckt.

Man setzt sich an den Tisch und darunter oder daneben steht häufig ein kleiner Korb für Taschen, Rucksäcke oder Jacken.
Das war es schon.

Keine Handtasche auf dem Boden.
Kein Rucksack mitten im Gang.
Keine Jacke, die irgendwie über der Stuhllehne hängt.

Gerade weil viele Restaurants in Japan relativ klein sind, ergibt das unglaublich viel Sinn.

Beim ersten Mal nimmt man den Korb wahrscheinlich einfach hin.
Beim zweiten oder dritten Restaurant merkt man plötzlich:
Das ist hier ganz normal.

Und irgendwann sitzt man da und fragt sich ernsthaft:
Warum steht so etwas nicht in jedem Restaurant bei uns?

Es kostet kaum etwas.
Es braucht keine Technik.
Und trotzdem löst es ein kleines Problem.

Genau solche Dinge waren für uns am Ende fast typischer für das moderne Japan als irgendwelche Roboter.

Braune Handtasche in einem schwarzen Taschenkorb, der neben dem Stuhl auf dem Holzboden eines japanischen Cafés steht
Für die Tasche steht ein eigener Korb neben dem Stuhl. Nichts liegt auf dem Boden, nichts hängt über der Lehne.

Warum gibt es beim Frühstück in Japan Tischkarten?

Noch so ein Detail haben wir beim Frühstück entdeckt.

In einigen Hotels oder Restaurants gibt es kleine Karten, die man auf seinen Tisch legt.
Damit ist klar:
Dieser Tisch ist besetzt.

Das klingt erst einmal völlig unspektakulär.
Bis man mit mehreren Personen am Frühstücksbuffet sitzt.

Normalerweise läuft es doch so:
Einer bleibt am Tisch sitzen und bewacht ihn, während die anderen Essen holen.
Dann wird gewechselt.
Oder man lässt Tasche, Jacke oder Handy liegen, damit niemand glaubt, der Tisch wäre wieder frei.

In Japan?
Karte hinlegen.
Alle gehen gemeinsam zum Buffet.
Wenn man fertig ist, nimmt man sie wieder weg oder dreht sie entsprechend um.
Fertig.

Wir lieben solche Lösungen.
Keine App.
Kein Bildschirm.
Keine künstliche Intelligenz.
Einfach eine kleine Karte.
Und das Problem ist gelöst.

Zwei laminierte Tischkarten beim Frühstück in einem japanischen Hotel: eine mit blauem Gedeck und der Aufschrift „We’re eating“, die andere mit durchgestrichenem Besteck und „Breakfast is over“
Blau heißt: Wir essen noch. Umgedreht heißt: fertig. So muss niemand am Tisch nachfragen.

Warum sind Konbinis in Japan so beliebt?

Wer nach Japan reist, kommt an den Konbinis kaum vorbei.
7 Eleven, FamilyMart oder Lawson gehören irgendwann einfach zum Reisealltag.

Und wir meinen damit nicht nur:
Man geht dort kurz etwas trinken kaufen.

Konbinis sind eher eine Mischung aus kleinem Supermarkt, Imbiss und Dienstleistungsstation.
Man bekommt Onigiri, Sandwiches, warme Gerichte, Nudeln, Kaffee, Getränke, Desserts, Snacks und unzählige kleine Dinge für den Alltag.
Je nach Filiale gibt es außerdem Geldautomaten, Kopierer, Druckmöglichkeiten und weitere Services.

Gerade auf Reisen ist das unglaublich praktisch.
Man ist den ganzen Tag unterwegs, bekommt Hunger und muss nicht erst lange nach einem Restaurant suchen.
Oder man möchte morgens schnell etwas mitnehmen.
Oder abends noch etwas trinken.

Ein Konbini ist eigentlich immer irgendwo in der Nähe.
Und irgendwann gehört der Besuch dort fast genauso zur Japanreise wie Tempel oder Shinkansen.

Lawson Convenience Store mit Blick auf den schneebedeckten Fuji im Hintergrund, davor parken ein pinkfarbener Kei-Car und weitere Fahrzeuge.
Ein Konbini wie jeder andere — bis man nach oben schaut. Hinter diesem Lawson steht der Fuji.

Smoothie Maker im 7 Eleven

Eines unserer persönlichen Highlights war der Smoothie Maker im 7 Eleven.

Im Kühlbereich beziehungsweise Gefrierbereich stehen Becher mit gefrorenem Obst und weiteren Zutaten.
Man sucht sich einen Smoothie aus.
Bezahlt ihn.
Geht zur Maschine.
Scannt den Becher.
Stellt ihn hinein.
Und kurze Zeit später hält man einen frisch gemixten Smoothie in der Hand.

Wir fanden das genial.
Nicht, weil ein Smoothie Mixer eine wahnsinnig spektakuläre Erfindung wäre.
Sondern weil das ganze System so unkompliziert funktioniert.

Es muss niemand dauerhaft hinter einer Smoothie Bar stehen.
Gleichzeitig bekommt man keinen Smoothie, der bereits fertig abgefüllt im Kühlregal steht.
Die Maschine mixt ihn einfach direkt.

Das ist wieder genau dieses Japan Gefühl:
Eine kleine Alltagssache wurde einfach ein bisschen besser gelöst.

Und danach erscheint einem der normale Smoothie aus dem Kühlregal zu Hause plötzlich ziemlich langweilig.

Junge bedient einen Smoothie-Automaten (Seven Café) in einem japanischen Convenience Store.
Becher aus dem Tiefkühler, einsetzen, Knopf drücken — den Rest macht die Maschine. Unser Sohn hätte das täglich gemacht.

Was kann man sich in Japan ausleihen?

Eine Sache, die ebenfalls gut zu diesem Prinzip passt, sind die vielen Leihangebote.

Natürlich kann man nicht buchstäblich an jeder Straßenecke alles ausleihen.
Aber gerade in größeren Städten findet man erstaunlich viele Systeme für Dinge, die man unterwegs vielleicht nur kurzfristig benötigt.

Dazu gehören zum Beispiel Regenschirme, Powerbanks und teilweise auch Buggys oder Kinderwagen.

Und je länger wir darüber nachgedacht haben, desto sinnvoller fanden wir die Idee dahinter.
Warum etwas kaufen oder den ganzen Tag mitschleppen, wenn man es nur für zwei Stunden braucht?

Regenschirme einfach kurz ausleihen

Plötzlich beginnt es zu regnen.

Normalerweise hat man zwei Möglichkeiten.
Nass werden.
Oder irgendwo einen Regenschirm kaufen, den man danach vielleicht gar nicht mehr braucht.

In Japan gibt es an verschiedenen Orten Leihsysteme für Regenschirme.
Man leiht sich einen Schirm aus, benutzt ihn und gibt ihn später wieder an einer passenden Station zurück.

Gerade auf Reisen finden wir das unglaublich praktisch.
Man muss nicht jeden Tag vorsorglich einen Schirm mitschleppen.
Wenn man einen braucht, nimmt man sich einen.

Regenschirm-Verleihstation (Aikasa) an einem Bahnhof mit türkisfarbenen Schirmen und Info-Postern.
Schirm per App entsperren, an einer beliebigen anderen Station zurückstellen. Wer einmal im Regen stand, versteht das Prinzip sofort.

Powerbanks für unterwegs

Noch besser fanden wir die Powerbank Stationen.

Wer Tokio erkundet, weiß, wie schnell der Akku leiden kann.
Google Maps läuft gefühlt den halben Tag.
Man sucht Bahnverbindungen.
Macht Fotos.
Filmt.
Schaut nach Restaurants.
Und irgendwann nähert sich das Handy gefährlich den letzten Prozent.

An verschiedenen Bahnhöfen, Einkaufszentren und Geschäften findet man Stationen, an denen man eine Powerbank ausleihen kann.
Man nimmt sie mit.
Lädt unterwegs sein Smartphone.
Und gibt die Powerbank später wieder an einer passenden Station zurück.

Gerade für Reisende ist das eine dieser Kleinigkeiten, die unglaublich viel Sinn ergeben.

Zwei ChargeSpot-Automaten zum Ausleihen von Powerbanks mit Displays und QR-Code-Anleitung.
Dasselbe Prinzip für Powerbanks: QR scannen, mitnehmen, irgendwo anders wieder einstecken.

Buggys und Kinderwagen

Auch Buggys beziehungsweise Kinderwagen lassen sich an verschiedenen Orten ausleihen.
Zum Beispiel in größeren Einkaufszentren, Freizeitparks oder an touristischen Orten.

Wer mit Kind unterwegs ist, muss also nicht zwangsläufig für jede Situation alles selbst dabeihaben.

Auch hier wieder derselbe Gedanke:
Du brauchst etwas gerade? Dann nutze es. Danach gibst du es wieder zurück.

Das ist weder besonders spektakulär noch futuristisch.
Aber sehr praktisch.

Blaue Kinderwagen-Verleihstation (Bebikaru) mit drei nummerierten Buggys an einem Bahnhof.
Nummerierte Buggys am Bahnhof, ausleihbar wie ein Schließfach. Mit kleinem Kind unterwegs ist das mehr wert, als es aussieht.

Warum sind japanische Züge so besonders?

Natürlich kann man über das moderne Japan nicht schreiben, ohne über die Züge zu sprechen.
Der Shinkansen gehört wahrscheinlich zu den bekanntesten Symbolen des Landes.

Uns hat aber fast noch mehr beeindruckt, wie gut der öffentliche Verkehr insgesamt organisiert ist.

Auf den Bahnsteigen zeigen Markierungen, wo die Türen des Zuges halten werden.
Die Menschen stellen sich entsprechend an.
Erst wird ausgestiegen.
Dann eingestiegen.

Züge verkehren in sehr kurzen Abständen.
Und trotz der unglaublichen Menschenmengen funktioniert vieles erstaunlich ruhig.

Gerade in Tokio fragt man sich vor der Reise vielleicht:
Wie soll ich dieses Bahnnetz jemals verstehen?

Nach ein paar Tagen bewegt man sich aber erstaunlich selbstverständlich darin.

Wartende Fahrgäste mit Smartphones auf einem Bahnsteig, im Hintergrund ein orangefarbener Zug.
Warten in Reihen, kein Gedränge, kein Vordrängeln. Beeindruckend ist hier weniger die Technik als die Selbstverständlichkeit.

Warum kann man Zugsitze in Japan drehen?

Ein kleines Detail fanden wir besonders praktisch:
drehbare Sitze.

In verschiedenen japanischen Zügen lassen sich Sitzreihen so drehen, dass man in die andere Fahrtrichtung schaut.
Wer nicht gerne rückwärts fährt, dürfte das lieben.

Noch praktischer ist es aber, wenn man mit mehreren Personen unterwegs ist.
Man dreht einfach eine Sitzreihe um und kann sich gegenübersitzen.

So simpel.
Und trotzdem hatten wir sofort wieder diesen Gedanken:
Warum gibt es das nicht überall?

Es ist keine spektakuläre Hightech Lösung.
Es ist einfach ein Sitz, der sich drehen lässt.
Aber genau das meinen wir mit gut durchdacht.

Ist Bahnfahren in Japan wirklich so unkompliziert?

Vorher sieht das Bahnnetz von Tokio aus wie ein bunter Teller Spaghetti.

Vor Ort fanden wir es allerdings deutlich einfacher als erwartet.
Ein Grund dafür war für uns die Suica Karte.

Man hält sie beim Betreten der Station an die Schranke.
Fährt.
Und hält sie beim Verlassen wieder an die Schranke.
Der entsprechende Fahrpreis wird automatisch abgerechnet.

Wir mussten also nicht vor jeder Fahrt erst herausfinden, welches Ticket wir brauchen.
Zusammen mit Google Maps war das für uns eine der praktischsten Lösungen überhaupt.

Auch hier merkt man:
Gute Technik ist manchmal genau die Technik, über die man nach kurzer Zeit gar nicht mehr nachdenkt.

Netzplan „Tokyo Urban Rail Map“ mit den farbigen Linien von U-Bahn, JR und Privatbahnen; jede Station trägt einen Code aus Buchstabe und Zahl
Der Netzplan sieht aus wie Kabelsalat. In der Praxis merkt man sich nur Farbe und Stationscode — JY 17 findet man auch ohne ein Wort Japanisch.

Sind japanische Toiletten wirklich so modern?

Ja.
Das Klischee stimmt.

Natürlich ist nicht jede einzelne Toilette in Japan gleich ausgestattet.
Aber moderne Washlets findet man wirklich häufig.

Je nach Modell gibt es beheizte Sitze, Duschfunktionen, verschiedene Einstellungen und Geräusche für mehr Privatsphäre.
Teilweise öffnet sich sogar der Deckel automatisch.

Am Anfang steht man davor und fragt sich:
Welchen Knopf darf ich drücken?
Und welchen besser nicht?

Nach wenigen Tagen hat man sich daran gewöhnt.
Und irgendwann passiert etwas, womit wir vorher nicht gerechnet hätten:
Man setzt sich auf eine ganz normale Toilette und denkt plötzlich:
Irgendwie fehlt hier etwas.

Japanische Toiletten sind tatsächlich eines der Beispiele, bei denen Japan ziemlich deutlich nach Zukunft aussieht.

Modernes Hotelbadezimmer mit TOTO-Washlet-Toilette, Handtüchern und Waschbecken.
Bedienfeld an der Wand, beheizter Sitz, alles im ganz normalen Hotelzimmer. Zu Hause vermisst man das schneller, als man denkt.

Warum stehen in Japan überall Getränkeautomaten?

Noch etwas, das sofort auffällt:
Getränkeautomaten.

Nicht nur am Bahnhof.
Sie stehen an Straßen, vor Gebäuden, auf Parkplätzen und teilweise an Stellen, an denen wir überhaupt keinen Automaten erwartet hätten.

Das Angebot beschränkt sich dabei nicht nur auf Wasser oder Cola.
Man findet Kaffee, Tee, Säfte und je nach Jahreszeit sogar warme Getränke.

Gerade wenn man den ganzen Tag unterwegs ist, versteht man schnell, warum das praktisch ist.

Man muss nicht erst einen Supermarkt suchen.
Kurz stehen bleiben.
Getränk auswählen.
Bezahlen.
Weiter.

Kleine Sache.
Großer Komfort.

Mann und Junge stehen vor einem Getränkeautomaten auf einem U-Bahnsteig, im Hintergrund die Gleise.
Der grüne Aufkleber macht diesen Automaten besonders: Im Katastrophenfall gibt er seine Getränke kostenlos heraus.

Warum wirkt der Alltag in Japan so organisiert?

Mindestens genauso beeindruckend wie manche Technik fanden wir die Organisation.
Vor allem in Tokio.

So viele Menschen auf so wenig Raum könnten theoretisch für permanentes Chaos sorgen.
Trotzdem wirken viele Abläufe erstaunlich ruhig.

Auf Bahnsteigen bilden sich Warteschlangen.
Es gibt Markierungen auf dem Boden.
Man blockiert nicht einfach die Zugtüren.

Viele Regeln werden gar nicht ständig neu erklärt.
Die Menschen kennen die Abläufe einfach.

Natürlich ist auch in Japan nicht alles perfekt.
Aber dieses Zusammenspiel aus Technik, Regeln und Rücksicht funktioniert häufig erstaunlich gut.

Und manchmal fühlte sich genau das für uns moderner an als jeder Roboter.

Warum sind Verpackungen in Japan oft so clever?

Mit der Zeit beginnt man in Japan auf Details zu achten.
Und dann fallen einem plötzlich auch die Verpackungen auf.

Viele Produkte lassen sich genau dort öffnen, wo sie sollen.
Kleine Bilder erklären die richtige Handhabung.

Bei manchen Lebensmitteln werden einzelne Bestandteile erst beim Öffnen miteinander verbunden.
Das sorgt dafür, dass Dinge frisch oder knusprig bleiben.

Auch hier haben wir immer wieder das Gefühl gehabt:
Jemand hat das Produkt nicht nur entwickelt.
Jemand hat sich offenbar auch gefragt:
Wie benutzt ein Mensch es eigentlich?

Das klingt selbstverständlich.
Ist es aber nicht immer.

Wo ist Japan gar nicht so modern, wie man denkt?

Und dann kommt die andere Seite.

Denn Japan ist keineswegs überall das vollständig digitalisierte Zukunftsland, das wir vorher im Kopf hatten.
Teilweise ist sogar genau das Gegenteil der Fall.

Das macht den Kontrast so interessant.

Man sitzt auf einer Toilette mit zehn Funktionen.
Fährt anschließend mit einem perfekt organisierten Zug durch Tokio.
Und steht wenig später irgendwo und stellt fest:
Hier wäre Bargeld gerade doch ziemlich praktisch.

Warum braucht man in Japan noch Bargeld?

Bargeldloses Bezahlen ist in Japan inzwischen weit verbreitet.
Mit Karten, Suica oder Smartphone kann man an vielen Orten problemlos bezahlen.

Trotzdem würden wir nie komplett ohne Bargeld durch Japan reisen.
Gerade bei kleineren Restaurants, einzelnen Automaten oder kleineren Geschäften kann Bargeld weiterhin wichtig sein.

Und genau das passt irgendwie so gar nicht zu dem Bild, das viele von Japan haben.

Hightech Toilette?
Natürlich.
Shinkansen?
Natürlich.
Nur Kreditkarte dabei?
Vielleicht doch keine so gute Idee.

Hand hält einen japanischen 1000-Yen-Schein, auf dessen Rückseite Hokusais „Große Welle vor Kanagawa“ abgebildet ist
Ganz ohne Bargeld geht es immer noch nicht. Immerhin trägt der neue 1000-Yen-Schein Hokusais Große Welle.

Warum gibt es in Japan noch so viel Papier?

Auch Papier ist längst nicht verschwunden.
Formulare, Belege und klassische Abläufe begegnen einem weiterhin.

Das wirkt manchmal überraschend traditionell.
Gerade weil man Japan vorher als vollständig digitalisiertes Land im Kopf hat.

Wir fanden diesen Gegensatz irgendwann fast schon charmant.
Japan scheint nicht alles zwangsläufig zu digitalisieren, nur weil es technisch möglich wäre.
Manches bleibt bestehen, weil es sich über Jahre etabliert hat oder einfach weiterhin funktioniert.

Warum wirken manche japanische Websites so altmodisch?

Auch online bekommt das Zukunftsbild manchmal kleine Risse.

Während draußen ein Shinkansen mit hoher Geschwindigkeit durchs Land fährt, kann man auf einer japanischen Website sitzen und nach einem bestimmten Button suchen.

Viele Informationen.
Viele Felder.
Viele Schaltflächen.
Teilweise sehr viel Inhalt auf einmal.

Natürlich trifft das nicht auf jede Website zu.
Aber wir hatten mehrmals den Gedanken:
Das sieht jetzt irgendwie nicht nach 2050 aus.

Und genau das ist Japan.
Extrem modern und gleichzeitig manchmal erstaunlich traditionell.

Ist Japan also moderner als Deutschland?

Darauf gibt es unserer Meinung nach keine einfache Antwort.

Japan ist in manchen Bereichen deutlich weiter.
In anderen nicht.

Und vielleicht liegt der Fehler schon darin, modern immer mit digital gleichzusetzen.
Japan zeigt ziemlich gut, dass das zwei verschiedene Dinge sind.

Eine Lösung kann modern sein, obwohl sie überhaupt keine Elektronik benötigt.
Der Korb unter dem Restauranttisch ist dafür das beste Beispiel.
Oder die kleine Karte beim Frühstück.

Genauso kann ein Land unglaublich moderne Züge besitzen und trotzdem Bargeld und Papier verwenden.

Genau diese Mischung macht Japan für uns so interessant.

Diese Dinge würden wir sofort aus Japan übernehmen

Wenn wir uns ein paar Dinge aus Japan einfach mit nach Hause nehmen könnten, wären es wahrscheinlich gar nicht die spektakulären technischen Errungenschaften.

Unsere Favoriten wären:

  • Körbe für Taschen unter Restauranttischen
  • Tischkarten beim Frühstücksbuffet
  • Smoothie Maker im Konbini
  • drehbare Sitze im Zug
  • Powerbanks zum Ausleihen
  • Regenschirme zum Ausleihen
  • Buggys und Kinderwagen zum Ausleihen
  • klare Markierungen auf Bahnsteigen
  • einfache Systeme wie Suica
  • clever durchdachte Verpackungen
  • Getränkeautomaten an wirklich praktischen Stellen

Und ja.
Ein japanisches Washlet dürfte auch gerne mitkommen.

Wie modern ist Japan? Unsere Erfahrungen kurz zusammengefasst

Wenn du dich fragst, ob Japan wirklich im Jahr 2050 lebt, würden wir es so zusammenfassen:

  • Japan ist nicht überall futuristisch, aber unglaublich viele Dinge sind gut durchdacht.
  • Besonders kleine Alltagshilfen haben uns immer wieder überrascht.
  • Restaurants lösen mit einfachen Dingen wie Körben oder Tischkarten kleine Probleme.
  • Konbinis sind deutlich mehr als kleine Supermärkte.
  • Regenschirme, Powerbanks und teilweise auch Buggys lassen sich unkompliziert ausleihen.
  • Der öffentliche Verkehr ist hervorragend organisiert.
  • Drehbare Zugsitze sind eines dieser einfachen Dinge, die man sofort auch zu Hause möchte.
  • Japanische Toiletten werden ihrem Ruf tatsächlich gerecht.
  • Trotz aller Technik spielen Bargeld und Papier weiterhin eine Rolle.
  • Japan ist deshalb nicht einfach digitaler als wir.
  • Oft ist es vor allem besser darin, kleine Alltagssituationen praktisch zu lösen.
Zwei überdimensionale, lebensechte Roboterköpfe mit geschlossenen bzw. offenen Augen auf Sockeln in einem Ausstellungsraum mit lila Teppich.
Zwei Androidenköpfe zwischen Verkaufstresen — diese Gleichzeitigkeit von Hightech und ganz normalem Alltag meinen wir mit „modern“.

Unser Fazit: Lebt Japan wirklich im Jahr 2050?

Vor unserer Reise hätten wir wahrscheinlich gesagt:
Natürlich. Japan ist uns bestimmt 20 Jahre voraus.

Heute würden wir das anders formulieren.

Japan lebt nicht überall in der Zukunft.
Dafür haben wir zu viele überraschend traditionelle Seiten erlebt.

Bargeld.
Papier.
Manche komplizierten Abläufe.
Websites, die nicht unbedingt nach Zukunft aussehen.

Und gleichzeitig gibt es diese andere Seite.

Den Smoothie aus dem 7 Eleven.
Die Suica an der Bahnschranke.
Die Zugsitze, die sich einfach drehen lassen.
Die Powerbank, die man unterwegs kurz ausleiht.
Den Regenschirm, den man nicht vorsorglich den ganzen Tag herumschleppen muss.
Die kleine Tischkarte beim Frühstück.
Und diesen einfachen Plastikkorb unter einem Restauranttisch.

Genau diese Dinge sind uns im Gedächtnis geblieben.
Nicht, weil sie spektakulär sind.
Sondern weil wir uns immer wieder bei demselben Gedanken erwischt haben:
Das ist so einfach. Warum machen wir das bei uns eigentlich nicht genauso?

Vielleicht lebt Japan also gar nicht im Jahr 2050.
Vielleicht ist Japan einfach sehr gut darin, sich Gedanken über den Alltag zu machen.

Und ganz ehrlich:
Das fühlt sich manchmal viel moderner an als jede Zukunftsvision.

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